“Die Künstleragentur” – Im Gespräch mit der Autorin Gabriele Skarda

Gabriele Skarda darf sich mit Fug und Recht zu den Urgesteinen der Musikbranche zählen. Durch ihre jahrzehntelange Arbeit in etlichen Bereichen im Musikbusiness gibt es wenige, die über so viel praktische Erfahrung verfügen. Gabriele Skarda ist es außerdem ein Bedürfnis, ihren Erfahrungsschatz mit anderen Kolleginnen und Kollegen zu teilen – sei es als Referentin oder eben auch als Autorin von Fachliteratur. So berichtet sie in Ihrem Buch „Die Künstleragentur“ von wirtschaftlichen Faktoren, Agenten, Managern, Direktoren, den Umgang mit Kunden, Verträgen, Booking, Steuern, Promotion, Merchandising und auch den Fans – ohne die es gar kein Musikbusiness geben könnte!

– Was hat Sie inspiriert, das Buch „DIE KÜNSTLERAGENTUR“ zu schreiben?
Aufgrund der vielen Seminare, die ich zu diesem Thema bei der ebam Akademie gehalten habe, lag es irgendwann nahe dieses Wissen in gebündelter Form in einem Buch festzuhalten. Die Zielsetzung war und ist es nach wie vor, den Künstlern und den angehenden Künstleragenten und Künstlermanagern einen Leitfaden und Ratgeber an die Hand zu geben.

– Seit wie vielen Jahren arbeiten Sie in der Musikbranche?
Ich arbeite seit 35 Jahren in der Musik- und Veranstaltungsbranche und decke verschiedene Segmente ab. Diese reichen von der einfachen Vermittlung eines Acts in ein Live-Engagement über das Organisieren von eigenen Veranstaltungen bis zum professionellen internationalen Künstlermanagement. Nicht zu vergessen ist die Tätigkeit als Referentin in Seminaren zu diesen Themen sowie meine Aufgabe als Coach (Berater) für Existenzgründer und Bestandsunternehmen in diesen Sparten.
Das hält mich ganz nahe am Markt und den damit verbundenen Themen und bringt mich in die wunderbare Lage, den Wandel in der Vermarktung eines Künstlers hautnah mit zu erleben.

– Mit welchen Themen beschäftigt sich das Buch „DIE KÜNSTLERAGENTUR“ genau?
Zunächst mit dem „Wirtschaftsfaktor Musik“ und den Aufgaben der Künstleragenten, der Manager und den Gastspieldirektionen. Weiter geht es mit den Kunden (Zielgruppe) eines Künstleragenten bis zum eigentlichen Verkauf, dem Booking. Hierzu empfehle ich einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis zu werfen.

– Welches Thema liegt Ihnen besonders am Herzen?
Im Wandel der Zeit (Erstveröffentlichung des Buches war 2010) erscheint mir das Kapitel 9 – „Promotion mit und für den örtlichen Veranstalter“ – immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Der wirtschaftliche Erfolg eines Konzertes misst sich an der Anzahl der verkauften Tickets. Dieses quantitative Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn alle Beteiligten (Künstler, Agent und/oder Manager und örtl. Veranstalter) ein Team bilden und jede Möglichkeit der Promotion ausschöpfen. Hier sehe ich erhebliche Mängel bei vielen Konzerten, hauptsächlich mit Künstlern die noch nicht im Markt etabliert sind. Dabei bietet uns das Internet vielfältige Instrumente für virales Marketing, die vom örtl. Veranstalter nur im geringen Maße genutzt werden, nicht zuletzt aus Mangel an Zeit und fachkundigem Personal. Es wäre somit sinnvoll, der Agent erstellt einen professionellen Promotionplan, bringt alle Tools ein (below and above the line), spricht diesen mit dem Veranstalter und dem Künstler ab und verteilt die Aufgaben – Wer übernimmt Was? Letztendlich geht es darum, ein gemeinsames Ziel zu erreichen und gleichzeitig den Künstler zu promoten.
Diese Vorgehensweise kann ich mit einem aktuellen Beispiel untermauern. Seit März dieses Jahres arbeite ich mit einem nicht etablieren Schlagersänger – Julius Meder. Mit diesem habe ich die Idee realisiert eine Single digital zu veröffentlichen anlässlich des 70ten Geburtstages und des 10ten Todestages von Drafi Deutscher (bekannter dt. Sänger, Komponist und Texter) mit dem Ziel, den Sänger besser im Markt zu etablieren (Promotion) und um letztendlich mehr und bessere Liveauftritte zu erhalten. Und siehe da, mit einem Dreier-Team (Label-Inh., Künstler und mir) ist es gelungen gleichzeitig auf 6 verschiedenen Webradios und Videoplatt-formen im Internet auf den vorderen Plätzen zu rangieren und Aufmerksamkeit erzeugen, so dass Angebote von außen (extern) kommen.
Wohlgemerkt: der Interpret ist ein No-Name, nicht mehr blutjung und der Titel ist ein Remake!!!
Alles Voraussetzungen, die im Musikbusiness nicht gerade ideal sind.
Aber mit hohem und vor allem gezieltem Einsatz, hauptsächlich mit kostengünstigen Online Marketing Aktionen, funktioniert es doch. Und das sollte Ihnen, liebe Leser, Mut machen!!!
Wir rangieren in einem starken Feld von etablierten Konkurrenten auf Platz 1 und das ist ein Erfolg!

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– Haben Sie das Gefühl, dass viele Menschen das Musikbusiness unterschätzen und wieviel Arbeit dahintersteckt?
Jawohl, viele unterschätzen die immense Arbeit, die dahinter steckt und die große Portion „Herzblut“, die es gilt zu investieren. Aber nochmal, mit den vielfältigen modernen Kommunikationsmitteln und dem strategischen und fortwährenden Einsatz derselben ist es möglich Erfolge zu erzielen, die sowohl den Künstler als auch den Agenten, das Label und letztlich den Veranstalter ein gutes Stück weiter bringen können.
Darum eignet sich das Buch nach wie vor als aktuelle und leicht verständliche Grundlage für den Einblick in die Vermarktung des Künstlers auf dem Livemusik-Sektor und soll gleichzeitig motivieren, alle im Buch zur Verfügung gestellten Tools zu nutzen.

– Wie sehen Sie die Zukunft des Musikbusiness?
Durchaus positiv. Musik ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil unseres Lebens, egal ob diese Live vorgetragen wird, auf Tonträgern verbreitet oder in digitaler Form erhältlich ist.

– Denken Sie, dass Live Konzerte irgendwann durch den Einsatz digitaler Medien ersetzt werden können?
Nein, niemals! Der Zuschauer und die Fans des jeweiligen Acts möchten ihr Idol hautnah erleben und das gilt für alle Genres der Musik.

Juli 2016, Gabriele Skarda