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COACHING - die persönliche Form der Beratung

Was ist Coaching und welche Varianten gibt es ?
Coaching kommt aus der englischen Sprache und heißt eigentlich Training, Anweisung oder Privatunterricht. Ein Coach ist ein Karriereberater und gibt Hilfe bei der Verwirklichung von beruflichen Erfolgen und Zielen. Aus dem Bereich Fußball kennen wir den Begriff bereits und seit Anfang der 90iger Jahre bedienen sich immer mehr Führungskräfte und Manager aus mittelständischen Unternehmen, aber auch Freiberufler und natürlich die Chefs von Großunternehmen eines persönlichen Coachs. Grundlage hierfür ist eine freiwillige und gewünschte Beratungsbeziehung. Kernpunkt des Coachings ist die Zielfindung und die Bewältigung der neuen Aufgaben des coachees (Klient). Die wohl meist verbreitete Form ist das sogenannten Einzelcoaching. Der Coach versucht zusammen mit dem Klienten das wichtigste berufliche Ziel (Jobwechsel, Veränderung im derzeitigen Arbeitsprozess usw.) herauszufinden. Man nennt diesen Vorgang auch Prozessberatung, da der Coach keine direkten Lösungsmöglichkeiten gibt. Vielmehr fördert der Coach die systematische Aufarbeitung von Problemursachen, findet die Identität der zum Problem geführten Prozesse und erarbeitet mit dem Klienten Lösungen und neue Zielsetzungen.

Coaching ist also eine "Hilfe zur Selbsthilfe" und im Idealfall lernt der Klient in Zukunft seine Probleme selber zu lösen und klare Ziele zu setzen um eigenständige und effektive Ergebnisse zu erzielen. Es gibt das Einzelcoaching durch einen externen Coach aber in etlichen Firmen auch den internen Coach. Letztere Variante erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei der Personalentwicklung für Führungskräfte in der mittleren und unteren Ebene.

Das Gruppencoaching ist teilweise umstritten, da die Coachees sich nicht so öffnen können wie z.B. beim Einzelcoaching. In den meisten aller Fälle wird beim Gruppencoaching eine Gruppe von Personen gecoacht, die in ihrer Funktion bereits zusammen arbeitet und als begleitende Maßnahme bei Teamentwicklungspozessen (z.B. eine komplette Führungsetage eines Unternehmens).

Wann sollte ein Coach eingesetzt werden?
Immer dann wenn der zu Coachende das Gefühl hat im Berufsleben auf der Stelle zu treten. Wenn die eigene Strategie nicht stimmt, wenn man viele Ziele hat und sich für keines richtig entscheiden kann, wenn man sich beruflich komplett verändern will oder den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchte. Coaching ist aber auch als eine Art Training zur beruflichen Qualifikation sinnvoll, wenn man am Anfang seiner beruflichen Karriere in einer bestimmte Branche steht. Ich greife diesen Punkt später in diesem Artikel noch mal auf. Natürlich spielen in dem beruflichen Alltag nur all zu oft auch private Probleme eine Rolle. Aber der Coach ist kein Psychotherapeut, obwohl er durchaus über ein großes Maß an Einfühlungsvermögen verfügen sollte. Um so wichtiger ist es in einem Coaching-Prozess die Balance zwischen Beruf und Privat genau so zu finden wie die Lösung des gerade anstehenden beruflichen Problems. Wichtig ist, daß es zwischen dem Coach und dem Coachee kein Beziehungsgefälle gibt, da dies die gegenseitige Akzeptanz erschwert.

Der Coach - fachliche und persönliche Kompetenz
Ein guter Coach sollte sowohl über gute psychologische als auch über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen. Ein guter Coach fördert sie ohne Ihnen die Verantwortung abzunehmen, er unterstützt sie die von Ihnen gewünschten Veränderungen vorzunehmen und er motiviert sie den von ihnen erarbeiteten Weg zu gehen. Allerdings muß ein Coach keine formale Qualifikation nachweisen. Jeder kann sich Coach nennen ohne gegen rechtliche Bestimmungen zu verstoßen. Sollten sie sich coachen lassen wollen ist es für sie von Bedeutung die nachfolgenden Merkmale eines "guten Coach" zu beachten.

Auch wenn ich vorhin sagte, der Coach sei kein Psychotherapeut, so soll er doch über die wichtigsten Grundkenntnisse in der Psychotherapie verfügen, wie z.B. Transaktionsanalyse, Gesprächstherapie, NLP, Verhalten und Prozesse in Organisationen und Gruppen, Mentales Training, Problemlösungsmethoden, Zeitmanagement, Konfliktmanagement, Kreativitätstechniken und Kommunikationstheorien.

Seine betriebswirschaftliche Kompetenz sollten die betriebswirtschaftlichen Abläufe und Gegebenheiten genauso beinhalten wie Fachverständnis für Managementprozesse und Erfahrung mit betriebswirtschaftlichen Instrumenten. Kenntnisse des betriebswirtschaftlichen Umfeldes und seiner Funktionen (z.B. Betriebsleiter, Personalchef, Einkauf etc.) sind unumgänglich.

Aber was nutzt all dies oben beschriebene Fachwissen, wenn dem Coach die persönliche Kompetenz fehlt! Ich denke ein guter Coach verfügt über eine große Selbst- und Lebenserfahrung und hat die Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung (Stärken und Schwächen). Natürlich sollte er sowohl über eine mehrjährige Beratungserfahrung verfügen als auch die Fähigkeit des Zuhörens beherrschen. Ein guter Coach ist absolut verschwiegen, ist neutral,
bezitzt Zivilcourage, ist flexibel im Inhalt und ist glaubwürdig. Interessant zu bemerken ist, daß der Coach (im Gegensatz zu den klassischen Beratern , wie Steuerberater, Anwalt usw.) eine Kombination seiner persönlichen Qualitäten mit einer fachübergreifenden Kompetenz darstellt.

Ablauf und Ziel vom Coaching
Zunächst findet ein Coaching Erstgespräch statt. Dies dient zum gegenseitigen Kennenlernen und um herauszufinden, ob eine gemeinsame Basis geschaffen werden kann. Der Klient beschreibt seine Erwartungen und der Coach schildert seine Möglichkeiten und Grenzen. Oft wird bei diesem Gespräch bereits eine erste Problemsicht vorgenommen und die Situation analysiert. Wenn der Klient durch sein anstehendes Problem emotional sehr belastet ist, kann der Coach bereits hier Entlastung schaffen und beratend tätig werden. Wichtig in diesem ersten Gespräch ist die Freiwilligkeit des Klienten, die Vertraulichkeit zwischen den beiden Parteien und die gegenseitige Akzeptanz herauszufinden. Ebenfalls von Bedeutung in diesem Erstgespräch ist die realistische Darstellung der erreichbaren Veränderungen um eine "Übererwartung" des Gecoachten zu dämpfen, die Rahmenbedingungen des Beratungsprozesses (Vertrag, Dauer, Kosten) und der Hinweis, daß der Coach dem Klienten weder die Verantwortung noch die Aufgaben abnehmen wird. Im Vordergrund steht die interaktive Zusammenarbeit auf gleicher Ebene. Das Ziel ist mit Hilfe des Coach eine persönliche berufliche Veränderung herbei zu führen, die eigene Wahrnehmung und das Bewußtsein für solche Veränderungen zu schulen und dadurch neue Prozesse in Gang zu setzen. Gerade bei der Zielfindung sollte sehr sorgfältig vorgegangen werden, da die Verfolgung von "Scheinzielen" das coaching nutzlos macht.

Der Coach muß während des ganzen Prozesses darauf achten welcher Art die Ziele des Gecoachten sind und gegebenenfalls in End- und Leistungsziel einteilen. Welche persönlichen Werte und Absichten stehen hinter den Zielen des Gecoachten? Diese müssen bewußt gemacht werden, um sie in der für den Gecoachten individuellen Hierachie zu ordnen. Die gemeinsam gefundenen Ziele und Lösungswege werden Teil des Arbeitsplanes und erlauben es dem Coach und dem Gecoachten die Übersicht in dem Prozess zu behalten.

Vertrag, Kosten und staatliche Förderungsmaßnahmen
Es wird in der Regel ein formaler Vertrag zwischen dem Coach und dem Klient zustande kommen. Hier handelt es sich um einen Dienstleistungsvertrag. Es wird nicht ein bestimmtes Ergebnis versprochen, sondern vielmehr vereinbart, daß der Coach eine fundierte Beratungsleistung erbringt. Der Vertrag sollte u.A. beinhalten

o Anzahl der einzelnen Termine
o Dauer der einzelnen Termine
o Abstände zwischen den Terminen
o Gesamtdauer des Coaching
o Ort, wo das Coaching stattfinden soll
o Geheimhaltungspflicht
o Höhe des Honorars
o Zahlungsweise

Neben dem formalen Vertrag gibt es auch noch einen "psychologischen" Vertrag, der die individuellen Spielregeln festhält und mündlich ausgehandelt wird. Hier ist es wichtig festzulegen, welche Themen in dem Prozess behandelt werden und welche Bereiche "außen vor" bleiben müssen. Auch der Coach muß seine Bedingungen nennen, nämlich z.B.daß der Klient den ernsthaften Willen hat sein Verhalten zu ändern, die Notwendigkeit der Beratung einsieht
und die Beratung durch den Coach akzeptiert. Es sollte geklärt werden, daß der Gecoachte nicht "geheilt" wird, sondern er sich im Laufe des coachings selbst "kuriert".

In Abhängigkeit von der Qualifikation des Coachs und den Rahmbedingungen der Beratung liegen die Kosten für eine einzelne Coaching-Sitzung (zw. 90 - 120 Minuten) zwischen € 100,-- bis € 500,-- + MWST. Unter Umständen können auch zeitbasierende Pauschal Regelungen angeboten werden. Die Aufwendungen für das Coaching können steuerlich als Fortbildung geltend gemacht werden, da eine Verbesserung der beruflichen Kompetenz ange-
strebt wird. Obwohl diese Kosten im ersten Moment hoch erscheinen, wird der Nutzen des Coachings wesentlich größer eingeschätzt.

Unter gewissen Vorausetzungen hat die Bayerische Industrie- und Handelskammer ein Coachingprogramm unter Mitwirkung des Bayer. Staatsministeriums f. Wirtschaft und Verkehr initiiert im Rahmen der Förderung und Betreuung von Existenzgründern und Betriebsübernehmern. Hier heißt es: "Mit der Förderung von Coaching sollen im Rahmen der bayer. Mittelstandspolitik die für kleine und mittlere Unternehmen bestehenden Wettbewerbsnachteile
abgebaut und die Chancengleichheit hergestellt oder gesichert werden." Hier ist in der Hauptsache ein Coaching gemeint, daß man auch als Fachtraining beschreiben könnte um Newcomern in einer Branche das notwendige "Know How" beizubringen. Dies ist eine beispielhafte Initiative (leider noch nicht auf Bundesebene), die auch den vorwiegend kleinen und mittelständischen Unternehmen im Musikbusiness und der Showbranche die Chance gibt,
sich unter gewissen Voraussetzungen ein Coaching leisten zu können. Entsprechende Informationen finden Sie unter:
www.muenchen.ihk.de, dann auf "Service" und dann auf "Tipps und Hilfen" klicken, so gelangen sie zu dem Existenzgründerprogramm und Coaching. Gerne beantworte ich auch Ihre Fragen hierzu (www.skarda@t-online.de)

Wie und wo finde ich den richtigen Coach?
Es scheint also gar nicht so einfach den richtigen Coach zu finden. Überlassen sie die Auswahl nicht dem Zufall. Hören sie sich bei Freunden, Bekannten und Kollegen um und orientieren sie sich an deren Empfehlungen. Prüfen sie, ob der Coach eine entsprechende Erfahrung vorzuweisen hat und achten sie auf die Gesamterscheinung der Person, die Unterlagen, das Auftreten und den Ausdruck. Informieren sie sich über die Qualifikation des Coach, gegebenenfalls fragen sie nach Referenzen, eigenen Veröffentlichungen (Bücher, Artikel), Fallbeschreibungen. Bitten sie den Coach um ein kostenloses Vorgespräch und lassen sie sich seine Vorgehensweise erklären. Fordern sie ein schriftliches Angebot an. Kein Coach ist für jeden Anlass geeignet und oft nur in bestimmten Bereichen spezialisiert. Engagieren sie niemanden, der behauptet alle Probleme lösen zu können. Ein seriöser Coach informiert nicht nur über Erfolge, sondern auch über Misserfolge.

Achten sie darauf, ob der Coach diskret ist. Referenzen können nur weiter gegeben werden mit der entsprechenden Erlaubnis des Klienten. Lassen sie sich die Methoden des Coachs erläutern und finden sie heraus, ob er transparent arbeitet. Und vor allem vertrauen sie ihrem Gefühl. Engagieren sie keinen Coach den sie nicht mögen.

Ich wünsche ihnen eine gute Intuition den richtigen Coach zu finden. Und wenn sie noch mehr über das Thema
Coaching erfahren wollen, empfehle ich Christopher Rauen "Handbuch Coaching", Wolfgang Looss "Unter Vier Augen"

Ihre
Gaby Skarda